Gesellschaftskritik: Das Gesetz der Serie

Gesellschaftskritik: Prinz Harry heiratet bürgerlich, eine geschiedene Schauspielerin. Abdanken wie sein Vorfahr Edward VIII. muss er nicht.

Natürlich ist es wunderbar, dass Prince Harry eine Frau gefunden hat, die er heiraten möchte. Irgendwie ist er für viele immer noch der kleine Junge, der mit hängendem Kopf dem Sarg seiner Mutter folgt und dem man deshalb mehr noch als anderen Leuten wünscht, sein Weg möge irgendwann in den Armen einer großen Liebe enden. Die gibt es jetzt anscheinend, in Form einer gewissen Meghan Markle aus L.A. Die Erleichterung über die für Mai anberaumte Eheschließung ist groß, und keiner wollte problematisieren, dass diese Meghan Markle nicht nur bürgerlich ist, sondern auch noch geschieden, amerikanisch und Schauspielerin. Selbst im Hause Windsor scheint das nicht für Diskussionen gesorgt zu haben – kein Wunder, denn zu welchem Horror es führen kann, unbedingt standesgemäß heiraten zu müssen, hat Charles’ Generation ausführlichst vorgemacht. Nach dem jahrzehntelangen Rosenkrieg zwischen ihm und Diana war es selbstverständlich, dass die Söhne heiraten können, wen sie wollen – solange nur so etwas wie Liebe im Spiel ist.

Aber trotzdem gibt es ein Problem. Eigentlich herrscht im Adel die Regel, dass man standesgemäß heiraten muss, um Titel und Privilegien behalten und vererben zu können. Mit William und Harry ist diese Tradition abgeschafft. Das wirkt auf den ersten Blick zeitgemäß und sympathisch – schließlich muss heute niemand aus sozioökonomischen Gründen heiraten, warum sollte man das ausgerechnet vom Adel verlangen? Trotzdem, man muss das einmal kurz zu Ende denken: Denn natürlich können fortan auch die Kinder von William und Harry Bürgerliche heiraten, sodass deren Kinder vermutlich Menschen sein werden, die zum größten Teil von Minenarbeitern, Bauern, Stewardessen abstammen werden, und wer weiß, wer noch so dazukommt. Ein Kind von George hätte dann, wenn es so weitergeht, nur noch zwei Adlige unter seinen acht Urgroßeltern. Spätestens dann wird klar sein, dass es keinen Grund gibt, warum diesen Menschen halb England gehören sollte oder weshalb andere jubelnd am Straßenrand stehen sollen, wenn sie heiraten.

Natürlich finden Anti-Royalisten, dass es auch heute dafür keinen Grund gibt. Doch irgendwie verspürt der Normalbürger angesichts von ein paar Hundert Jahren Herrschaftsgeschichte immer noch eine gewisse Ehrfurcht. Ein König ohne königlichen Stammbaum? Das wird nicht funktionieren. Harrys Entscheidung ist womöglich das Ende der Monarchie. Deshalb: jetzt feiern.