Milchstraße: Keine Aliens, nur etwas Staub

Tabbys Stern galt als mysteriösestes Objekt im Universum. Er flackerte so seltsam, dass Astronomen Aliens nicht ausschließen wollten. Nun gibt es eine neue Theorie.

Riesiger Exoplanet, Kometenschwarm, gewaltiger Crash, Sternsystem im Aufbau oder doch Bauwerke von Alienarchitekten? Seit Jahren zerbrechen sich Wissenschaftler über ein mysteriöses Flackern im Sternbild Schwan den Kopf. Es geht aus von einem Stern, der knapp 50 Prozent größer und schwerer sowie rund 1.000 Grad heißer ist als unsere Sonne. Er liegt zwischen 1.000 und 1.500 Lichtjahren entfernt von der Erde. Eigentlich trägt er die Katalognummer KIC 8462852, Astronomen nennen ihn liebevoll auch Tabbys Stern – nach seiner Entdeckerin, der US-amerikanischen Astronomin Tabetha Boyajian.

Tabbys Stern ist keine gewöhnliche Sonne, so schien es bisher. In unregelmäßigen Abständen schwankt seine Helligkeit nämlich um bis zu 22 Prozent. Nach etablierten Sternmodellen sollte er aber weitgehend gleichmäßig leuchten. Spekulationen gab es seitdem viele. Die Abgefahrenste: Außerirdische Megastrukturen, riesenhafte
Bauwerke also, könnten das Flackern verursachen. Ein Forscherteam um Entdeckerin Boyajian von der Louisiana State University macht nun vorerst mit allen Mythen Schluss (The Astrophysical Journal Letters: Wright & Boyajian et al., 2018). Das Geheimnis um den mysteriösesten Stern im Universum ist wohl doch nicht die Heimat einer
fortgeschrittenen Zivilisation – sondern einfach nur Staub.

Extrem feiner Staub, wie die jüngsten Analysen des Teams andeuten. Seine durchschnittliche Korngröße soll deutlich unter einem Tausendstel eines
Millimeters liegen, schreiben die Forscher. Die Partikel schlucken
Licht verschiedener Farben unterschiedlich stark.

“Die neuen Daten zeigen, dass verschiedene
Lichtfarben mit unterschiedlicher Intensität blockiert werden”, wird Boyajian in einer Mitteilung ihrer
Universität zitiert. “Was
immer zwischen uns und dem Stern vorbeizieht, ist daher nicht
undurchsichtig, wie man es von einem Planeten oder einer
außerirdischen Megastruktur erwarten würde.”

Etwa 1.700
Unterstützer haben in den vergangenen Jahren mehr als 100.000
Dollar gespendet, um weitere Beobachtungen von Tabbys Stern zu ermöglichen. Astronomen haben zahlreiche Erklärungsansätze für das unerwartete
Verhalten des Stern geliefert: So könnte er Planeten besitzen, die
gelegentlich vor ihm vorbeiziehen und ihn dabei teilweise
abdecken. Allerdings verdunkeln selbst sehr große Planeten wie der
Jupiter in unserem System ihre Sterne typischerweise nur um etwa zwei
Prozent.

Als andere
Möglichkeit kamen große Mengen von Kometentrümmern infrage oder eine große,
unregelmäßige Scheibe aus Staub, die den Stern umgeben könnte.
Solcher Staub sollte sich allerdings erwärmen und sich bemerkbar machen über
zusätzliche Infrarotstrahlung, die bislang nicht beobachtet werden konnte.

Der spektakulärste
Erklärungsversuch schlug vor, dass eine technologisch
fortgeschrittene Zivilisation um den Stern eine
Dyson-Sphäre aufgebaut hat, um ihren Energiebedarf zu decken. Der
US-Theoretiker Freeman Dyson hat in den 1960er-Jahren darüber spekuliert.
Solche Zivilisationen könnten eine gigantische Schale um ihren
jeweiligen Stern konstruieren, um damit möglichst viel
Strahlungsenergie zu ernten.

Die Alienjäger des Projekts
Seti hatten deshalb ihr Teleskop auf Tabbys Stern ausgerichtet, konnten
aber weder Radiosignale noch Hinweise auf Raketenantriebe
finden. Auch ein typischer Infrarotüberschuss, wie Dyson ihn 1960 für
ferne Kollektoren prognostiziert hatte, wurde nicht gemessen.

Auch die Staub-Theorie ist noch nicht abschließend belegt. Ob die Partikel in Form einer Scheibe oder anders angeordnet sind, wissen die
Forscher nämlich nicht. Das Rätsel sei noch nicht gelöst.