PSA: Peugeot sucht die Steckdose

Bis 2021 will der PSA-Konzern vier Elektroautos und sieben Benzin-Plug-in-Hybride auf dem Markt haben. Der einst hochgelobte Diesel-Hybrid spielt keine Rolle mehr.

Erfahrung macht klug. Es ist gerade einmal sechs Jahre her, da hatten
die Entwickler bei Peugeot die Vorzüge ihres Diesel-Hybridantriebs
HYbrid4 in den Himmel gelobt. “Wir können hier bewusst unsere
Kernkompetenz, nämlich die wirtschaftliche Produktion von Dieselmotoren,
nutzen”, sagte damals Vincent Basso, der Chefentwickler des
Hybrid-Projekts. “Zudem besitzt der Selbstzünder im Stadtverkehr ein
viel größeres Sparpotenzial als ein Benziner.” Der 3008 HYbrid4 kam im
Frühjahr 2011 auf den Markt – mit mäßigem Erfolg.

Schnee von gestern. Heute denkt der PSA-Konzern über die europäischen
Grenzen hinaus. China ist zu einem wichtigen Standbein geworden und folglich setzt man auf Benzinhybride – und im Zuge dessen gleich auf
die Plug-in-Technologie. Wie sich dieses Antriebssystem zusammensetzt,
präsentierten die Franzosen kürzlich auf dem Genfer Automobilsalon: Die
Premiumtochter DS überraschte mit einem fertigen Serienfahrzeug namens
DS7 Crossback. Das SUV soll Anfang des nächsten Jahres auf den Markt
kommen.

Peugeot stellte derweil den Instinct vor, die Studie eines autonom fahrenden
Shooting Brake. Beiden Modellen gemeinsam ist der Prototyp eines Plug-in-Hybridantriebs mit Benzinmotor. Ein 1,6 Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 200 PS arbeitet hier zusammen mit einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor. Die Systemleistung liegt bei 300 PS und 450 Nm
Drehmoment. Entwickelt wurde eigens eine neue Achtgang-Automatik.

Verbrenner, E-Motor und Getriebe sitzen vorne quer unter der Haube. SUV
und CUV (Crossover Utility Vehicle) erhalten zusätzlich einen
Elektromotor an der Hinterachse, mit einer Leistung von 80 kW (109 PS). Unter die Rücksitzbank
platzierten die Entwickler die 13 kWh große Lithium-Ionen-Batterie.
Durch die Einbaulage soll es keine Einbußen beim Kofferraum geben. PSA
verspricht eine elektrische Reichweite von 60 Kilometern und 40 Prozent
weniger Verbrauch im Vergleich zu einem konventionellen Benziner.

Die technische Basis für den Plug-in-Hybrid bildet die sogenannte
EMP2 (Efficient Modular Platform). Diese Plattform ist seit 2013 im
Einsatz und ersetzt künftig diverse bisherige Chassis-Architekturen.
Gedacht war EMP2 in erster Linie für Modelle der Mittelklasse und
größere Limousinen und SUV. In der Plug-in-Hybrid-Variante startet EMP2
Anfang 2019. Als Grund für die späte Einführung gibt die Pariser
Zentrale “aufwändige Abstimmungsprozesse” und “Premium-Ansprüche” an.
Erstes Modell wird der DS7 Crossback. Peugeot folgt mit dem 3008 und
508, DS selbst mit dem DS9. Insgesamt will PSA bis 2021 nach und nach
sieben Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge auf die Straße schicken.

Die zweite Plattform, die Frankreichs größter Autokonzern nutzen will,
heißt CMP (Common Modular Platform) und ergänzt die EMP2. Die CMP hat
PSA zusammen mit seinem chinesischen Joint-Venture-Partner Dongfeng
Motors (DFM) entwickelt. Gedacht ist die neue Architektur (minus 40
Kilogramm gegenüber aktueller Generation) für Kleinwagen, mittelgroße
Limousinen und Kompakt-SUVs.

CMP soll in der Variante e-CMP aber auch die Elektrostrategie des
Konzerns sicherstellen. “Die neue Plattform liefert die Basis einer
neuen Generation von Elektrofahrzeugen, die bis zu 450 Kilometer
Reichweite schaffen”, sagt Gilles Le Borgne, Direktor Forschung und
Entwicklung. Ab 2019 wird PSA sein Portfolio um vier Elektroautos ergänzen, vor allem aus der Kompaktklasse. Gut
möglich aber, dass ein Modell aus dem B-Segment (Kleinwagen) den Anfang macht.
Vermutlicher Name: DS3 Crossback. Angetrieben würde der Stromer
dann von einem E-Motor mit 85 kW. An Bord sind eine Batterie mit 50 kWh
Kapazität, ein 7-kW-Ladesystem und, der besseren Effizienz wegen, eine
Wärmepumpe.

Ob letztlich alles in der von PSA prognostizierten Menge und
Modellvielfalt kommt, bleibt abzuwarten. Der Wille ist zumindest da.
“Wir sind ab 2023 in der Lage, 85 Prozent der dann produzierten
Fahrzeuge elektrifiziert anzubieten”, sagt Konzernchef Carlos Tavares,
schickt aber auch gleich eine Einschränkung hinterher: “Nur, wenn die
Marktvoraussetzungen stimmen.”